Ruiniert PogChamps Schach?

Die neue Beliebtheit, die Schach in den letzten Monaten erfahren hat, löst nicht bei allen ausschließlich Begeisterung aus. Während seines Livestreams ging Hikaru „GMHikaru“ Nakamura auf einen Blog-Post ein, der beide Meinungen über das PogChamps Turnier gegenüberstellt.

Auf der einen Seite argumentiert David Llada, der für den Internationalen Schachverband (FIDE) in Sachen Kommunikation und Marketing tätig ist und sich als absoluter Befürworter von Events wie dem Chess.com PogChamps Turnier positioniert. Ihm gegenüber steht der Chesstech-Herausgeber Stefan Löffler, der für Turniere dieser Art wenig Sympathie aufbringen kann.

Schach ist einfach zu lernen und macht Spaß

Llada ist von PogChamps regelrecht begeistert. Das Turnier und die Aufmerksamkeit, die es in einer breit gefächerten Community für das Schachspiel ausgelöst hat, bewertet er absolut positiv. Die beteiligten Streamer würden ihren Zuschauern zeigen, dass Schach sehr einfach zu lernen sei, von Beginn an Spaß mache und das Skill-Level trotzdem nach oben hin kaum Grenzen kennt.

Die etablierte Schach-Community sei oftmals zu sehr auf sich selbst konzentriert und würde sich viel zu selten um Neues bemühen, so Llada. Mit Events wie PogChamps könne sich dies nun ändern und es solle ruhig auch weiterhin Turniere dieser Art geben. Selbst wenn bei weitem nicht alle, die sich jetzt neu für Schach interessieren, auch in Zukunft spielen werden – einige werden bleiben und die Schachwelt bereichern. Für Llada eine Win-Win-Situation für alle.

PogChamps ist wie „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ für Streamer

Dieser Meinung ist auch Nakamura, der bereits seit geraumer Zeit mittels seiner Streams und Videos darum bemüht ist, neue Fans für das Spiel zu gewinnen. Er zeigt sich auch wenig verständnisvoll für die Argumente Löfflers, der in dem neuartigen Turnier eine Art „Ich bin ein Star-Holt mich hier raus!“ sieht. Die Behauptung, bei den teilnehmenden Streamern würde es sich um „C-Promis“ handeln, die auf diese Weise ein wenig mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhalten wollen, findet Nakamura geradezu beleidigend. Insgesamt attestiert er Löffler eine reichlich elitäre Haltung, die engstirnig die Arbeitsleistung von Streamern und Youtubern verkennt.

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GMHikaru hat absolut Recht damit, dass nur ein kleiner Bruchteil aller Menschen, die sich für Schach interessieren, auch auf einem hohen Level spielen. Turniere wie PogChamps ermöglichen es einfach allen, Spaß an diesem faszinierenden Spiel zu haben. Wer sich High-Level-Spiele zwischen Super Großmeistern ansehen möchte, kann dies ja trotzdem auch weiterhin tun.

Durch das Twitch-Event erleidet das Spiel keinen Schaden – man muss schließlich auch kein Profi sein, um an einem öffentlichen Amateur-Fußball-Turnier teilzunehmen. Im Gegenteil, je mehr Menschen sich neu für Schach interessieren, desto eher wird sich unter ihnen auch der ein oder andere zukünftige Großmeister finden.